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FASD und Schule - Tipps und Hinweise für Lehrkräfte

Herzlich Willkommen

In Ihrer Schule gibt es ein Kind, bei dem der Verdacht auf FASD besteht? Im Folgenden bekommen Sie Hinweise für den Umgang mit dieser Erkrankung.

Wichtig ist, dass unabhängig davon der Verdacht durch weitere Untersuchungen überprüft wird. Denn es gibt diverse andere Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik verursachen. Notieren Sie deshalb Ihre Beobachtungen präzise, um im Gespräch mit Eltern und Kolleg*innen ohne Vorurteil bleiben zu können. Weitergehende Informationen finden Sie unter www.fasd-netz.de.

Das FASD Netzwerk Nordbayern e.V. hat die Wanderausstellung ZERO! konzipiert, mit der über die Risiken von Alkohol in der Schwangerschaft informiert wird. Die Ausstellung ist besonders für ältere Schüler*innen, aber auch für Multiplikatoren geeignet, um Wissen und Verständnis für das komplexe Störungsbild zu vermitteln.

Wenn Sie spezielle Fragen haben oder weitergehende Informationen benötigen, steht Ihnen die Beratungsstelle des FASD Netzwerks Nordbayern e.V. zur Verfügung.

Erklärung der Verschlagwortung auf dem Flyer

Es ist sicher nicht einfach, in der Hektik des Schulalltags auch auf die besonderen Bedürfnisse eines einzelnen Kindes mit FASD spezifisch einzugehen. Bitte sehen Sie nicht nur das Negative im Verhalten des Kindes und erwarten Sie nicht, dass FASD-Kinder ein „normales“ Schülerverhalten zeigen. Dies führt sonst unweigerlich zu Enttäuschungen.

Stärken stärken

Versuchen Sie herauszufinden, wo das Kind seine Stärken hat. Diese liegen häufig im sportlichen, künstlerischen oder handwerklichen Bereich. Manchmal können sie auch besonders gut mit jüngeren Schulkameraden oder Tieren und Pflanzen umgehen. Hier bieten sich zahlreiche Ansätze der positiven Anerkennung und des Übertragens von kleinen, verantwortungsvollen Extraaufgaben. Das führt bei manchem Kind mit FASD wie durch ein Wunder zu positiver Entwicklung im sonst so schwierig zu bewältigenden Schulleben.

Elternkontakt

Bei Verdacht auf FASD sollten Sie gemeinsam mit den Eltern des Kindes besprechen, wie eine optimale Förderung und Integration des Kindes in der Schule erfolgen kann. Vor allem Pflege- und Adoptiveltern sind häufig wahre „Spezialisten“ auf dem Gebiet. Sie wissen gut, was in Krisensituationen hilfreich sein kann.

Ideal wäre auch, wenn alle Lehrer*innen, die in der Klasse mit dem Kind unterrichten, ein ähnliches Vorgehen beschließen. Es sollte auch geklärt werden, wie man den Mitschüler*innen die Störung erklärt.

Schulbegleitung

Kinder mit FASD sind aufgrund ihrer hirnorganischen Schädigungen häufig nicht nur kognitiv, sondern auch sozial und emotional überfordert. Sprechen Sie mit den Eltern über die Einbindung eines Schulbegleiters. Dadurch können Sie dem Kind auch Auszeiten ermöglichen. An einem runden Tisch mit Jugendamt, Eltern, Schule und Schulpsycholog*in können weitere geeignete Maßnahmen beschlossen werden.

Einfachheit

Kinder mit FASD werden oft durch zu viele äußere Reize überfordert. Dies fängt beim Klassenzimmer und dessen Einrichtung an. Der Klassenraum sollte klar strukturiert und aufgeräumt sein und möglichst reizarm in Hinblick auf visuelle und auditive Reize gestaltet werden. Manchmal hilft schon die Auswahl des Sitzplatzes, der für das FASD-Kind eine reizärmere Umgebung bietet. Kleine Geräusche, wie das Ticken einer Uhr, werden von Kinder mit FASD viel deutlicher wahrgenommen, da sie Geräusche nicht filtern können. Bei der Gestaltung von Arbeitsblättern ist ebenfalls auf Übersichtlichkeit und einfache Sprache zu achten.

In der verbalen Kommunikation sollten Sie auf kurze, klare Anweisungen achten. Durch wiederkehrende, einprägsame Handzeichen können Sie dem FASD-Kind nonverbal Orientierung für sein das Verhalten geben.

Genauigkeit

Ein typisches Phänomen der Behinderung FASD ist, dass die Kinder oft in der Lage sind, auf kleinste Details zu achten. Deshalb ist eine kurze, aber präzise Wortwahl ebenso wichtig wie das Einhalten möglichst kleinschrittiger Arbeitsaufträge. Je leichter die Anweisungen verstanden werden, desto weniger werden die Kinder überfordert. Denken Sie bitte dabei an Till Eulenspiegel, der Anweisungen auch immer wörtlich genommen hat. Sobald ein Sachverhalt zu abstrakt dargeboten wird, schaltet ein Kind mit FASD oft ab und beschäftigt sich mit „interessanteren“ Dingen in der Umgebung. Präsentieren Sie Unterrichtsthemen so, dass die Erlebniswelt des Kindes berührt wird. So bleibt das Interesse trotz Wahrnehmungsstörungen länger erhalten.

Wiederholungen

Kinder mit FASD benötigen viele Wiederholungen, damit sich Inhalte im Gehirn verfestigen. Das Verankern von Lerninhalten im Langzeitgedächtnis ist gestört.

Wiederholen Sie Anweisungen mehrfach, damit die Kinder sie umsetzen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie einen Vorgang schon einmal ausführlich erklärt haben. Auch wenn ein Kind die Regeln wiedergeben kann, fällt oft die Umsetzung ins Handeln schwer. Das führt bei den Kindern zu Stress und Versagensängsten. Hilfreich ist es, wenn Einzelschritte vom Kind nochmals wiederholt werden. Unterstützen Sie mündliche Anweisungen durch visuelle Medien wie Grafiken und Fotos.

Routinen

Der Ablauf des Schulalltags sollte für ein Kind mit FASD möglichst gut vorhersehbar sein. Rituale können hier sehr gut helfen, zum Beispiel eine einsetzende Musik immer in der Endphase einer Einzel- oder Gruppenarbeit. Kommt es zu Änderungen im gewohnten Ablauf, hilft eine rechtzeitige, mehrmals wiederholte Ankündigung. Gerade normalerweise besonders motivierende Aktivitäten wie Wandertage, Unterrichtsgänge oder Klassenfahrten führen durch die Unterbrechung der Alltagsroutine bei diesen Kindern zu Stress und Ängsten, weil sie die kommenden Situationen nicht einschätzen können. Besprechen Sie die kommenden Situationen auch mit den Eltern, damit sie das Kind ebenfalls unterstützend vorbereiten. Sie benötigen bei außerschulischen Aktivitäten eine zusätzliche Betreuungsperson.

Aufsicht

FASD-Kinder zeigen oft einen starken Bewegungsdrang, haben eine hohe Risikobereitschaft und sind leicht verführbar. Diese Verhaltens-Kombination macht ein besonderes Augenmerk auf die Kinder in den Pausen und überhaupt eine möglichst umfassende Aufsichtsführung erforderlich. Auch im Rahmen der kollegialen Fortbildungen sollte auf die besonderen Bedürfnisse eines Kindes mit FASD eingegangen werden. Hier ist ebenfalls der Einsatz einer Schulbegleitung sinnvoll.

Beziehungen

Der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Pädagog*innen und dem Kind mit FASD sollte von Anfang der Schulzeit an im Zentrum stehen. Eine sichere emotionale Basis hilft dem FASD-Kind, sich zu entspannen und seine Energie besser auf das Lernen zu lenken. Das Kind braucht eine möglichst täglich greifbare Ansprechperson. Das Prinzip der Klassenlehrkraft kann hier einen guten Beitrag leisten. Wichtig für ein Kind mit FASD ist, dass die schulische Entwicklung sich über einen möglichst langen Zeitraum beständig, gleichmäßig und ohne Unterbrechung entwickelt. Häufige Vertretungen, Lehrerwechsel oder gar die Versetzung in eine andere Klassengemeinschaft verursachen meist hochgradigen Stress. Lassen sich Wechsel nicht vermeiden, sind im Vorfeld Vertrauenslehrkraft und/oder Schulsozialarbeiter*innen sowie die Eltern und Therapeut*innen einzubinden.

Bindung

Kinder mit FASD haben als Pflege- oder Adoptivkinder oft zusätzlich eine Bindungsstörung. Dadurch kann es von Seiten des Kindes immer wieder einmal zu Vertrauensbrüchen kommen. Dies ist vielfach nicht beabsichtigt, sondern der komplexen Störung geschuldet. Auf der anderen Seite sind Kinder mit FASD sehr sensibel dafür, ob eine Bezugsperson eine „ehrliche“ positive Bindung aufgebaut hat. In Fällen von Stress oder Blockaden können diese Bezugspersonen immer wieder den Zugang aufbauen und dabei helfen, nach Krisen einen guten Neustart zu schaffen.

Geduld

Wenn man als Lehrkraft immer wieder die gleichen Regeln erklären muss, erfordert dies ein hohes Maß an Geduld. Bei Kindern mit FASD ist entscheidend, dass man stets versucht, ruhig und zugewandt zu bleiben. Die Kinder fühlen sehr genau Stimmungsschwankungen, sind dann verunsichert, spüren Ängste und agieren oft eskalierend in solch einer Situation. Als Lehrkraft benötigen Sie viel Kraft und Ausdauer für die Inklusion eines FASD-Kindes. Besprechen Sie typische Situationen in einer Supervision oder mit Schulsozialarbeiter*innen. Denken Sie bitte immer daran, dass in den meisten Fällen Provokationen der Kinder deren Hilflosigkeit widerspiegeln.

Regelverstöße

Bei Regelverstößen sollte berücksichtigt werden, dass Tadel oder Belehrungen in den seltensten Fällen zielführend sind und eher Ängste und Abwehr verursachen. Dagegen versprechen vorher klar definierte Konsequenzen, die sich möglichst nicht ändern sollten, oftmals einen Teilerfolg. Geduld, Ruhe und kontrolliertes Auftreten der Lehrkraft führen seltener in eine negative Verhaltensspirale, aus der das Kind kaum mehr herausfindet. Hier wäre darüber hinaus auch eine Absprache unter den Kolleg*innen durchaus wünschenswert.

Was Sie noch zusätzlich berücksichtigen sollten:

Notengebung

Die Benotung ist bei Kindern/Jugendlichen mit FASD ein sehr komplexes Thema.
Da der Grad der Einschränkungen sehr unterschiedlich sein kann, muss im Einzelfall mit der Schulleitung (am Besten zusammen mit MSD oder Schulpsychologen) vereinbart werden, ob und wie viel an Nachteilsausgleich und/oder Notenaussetzung notwendig ist. Dies sollte im Verlauf der Schullaufbahn immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Weitere Informationen zum Nachteilsausgleich und Notenschutz erhalten Sie beim Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München.

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